PM: Wieder kein Tarifvertrag für studentische Beschäftigte
Tabea Herbst
tabea.herbst at fzs.de
Sa Feb 14 15:25:39 CET 2026
Sehr geehrte Medienschaffende,
der freie zusammenschluss von student*innenschaften (fzs) e.V., die
bundesweite Studierendenvertretung, äußert sich anlässlich der Einigung
in der aktuellen Tarifrunde und dem erneuten Ausbleiben eines
Tarifvertrags für studentisch Beschäftigte.
Rückfragen für die untenstehende Pressemitteilung können Sie stellen an:
Tabea Herbst, fzs-Vorstand
+49 151 20942563 oder tabea.herbst at fzs.de
_______________
*Pressemitteilung: Wieder kein Tarifvertrag für studentische
Beschäftigte - symbolische Fortschritte und strukturelle Verweigerung*
Am 14. Februar 2026 haben die Tarifvertragsparteien in der dritten
Verhandlungsrunde eine Einigung in den Tarifverhandlungen für die
Beschäftigten der Länder erzielt. Neben tabellenwirksamen
Entgelterhöhungen im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder
(TV-L) sowie Verbesserungen für Auszubildende und dual Studierende
enthält der Abschluss erneut lediglich eine schuldrechtliche
Vereinbarung zu den Arbeitsbedingungen studentischer Beschäftigter. Ein
eigenständiger Tarifvertrag für studentische Beschäftigte wurde
weiterhin nicht vereinbart. Der freie zusammenschluss von
student*innenschaften (fzs) kritisiert diese Entscheidung deutlich.
Zwar werden Mindeststundenentgelte für studentische Beschäftigte ab dem
Sommersemester 2026 auf 15,20 Euro und ab dem Sommersemester 2027 auf
15,90 Euro angehoben. Doch diese Regelung bleibt außerhalb des
Tarifvertrags verankert. Sie ist weiterhin lediglich schuldrechtlich
vereinbart und damit kein gleichwertiger Bestandteil des TV-L.
„Dass studentische Beschäftigte auch 2026 keinen eigenen Tarifvertrag
erhalten, ist eine bewusste politische Entscheidung der
Arbeitgeber*innenseite", erklärt Tabea Herbst aus dem Vorstand des fzs.
„Solange studentisch Beschäftigte nicht tariflich eingebunden sind,
bleibt ihre Arbeit strukturell entwertet.“
Die aktuelle Studie „Jung, akademisch, (immer noch) prekär“[1] zeigt,
dass studentische Beschäftigte im Durchschnitt 21,5 Monate auf ihrer
Stelle arbeiten und dabei im Schnitt bereits 2,6 Arbeitsverträge
abschließen. 36,1 Prozent haben sogar drei oder mehr Verträge auf
derselben Stelle. Diese Zahlen belegen: Studentische Beschäftigung ist
keine kurzfristige Randtätigkeit, sondern dauerhaft in die
Hochschulstrukturen eingebunden, allerdings unter prekären Bedingungen.
Gleichzeitig liegt die durchschnittliche Vertragslaufzeit in 13
Bundesländern trotz Verbesserungen bei unter einem Jahr. Noch 2022
betrug sie im Schnitt 5,7 Monate, 2026 liegt sie laut der aktuellen
Studie bei 9,7 Monaten. Die Einführung von Mindestvertragslaufzeiten hat
hier gewirkt, doch ohne tarifliche Verankerung bleibt auch diese
Verbesserung politisch reversibel.
„Die Arbeitgeber*innen argumentieren seit Jahren, es gebe keine neuen
Gründe für eine Tarifierung studentisch Beschäftigter. Die Realität an
den Hochschulen liefert diese Gründe täglich“, so Maximilian Wimmer,
Referent für gute Lehre und Arbeitsbedingungen des fzs. „Wer dauerhaft
Lehre, Forschung und Verwaltung absichert, darf die dafür Beschäftigten
nicht dauerhaft vom Tarifvertrag ausschließen.“
Studentische Beschäftigte sind die einzige große Beschäftigtengruppe im
Einflussbereich der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), die
weiterhin keinen regulären Tarifvertrag erhält. Statt einer
Eingruppierung in den TV-L oder eines eigenständigen Tarifvertrags
bleibt es bei einer Minimalregelung mit Mindestentgelt - eine der
größten Tariflücken im öffentlichen Dienst.
Das widerspricht nicht nur gewerkschaftlichen Forderungen, sondern auch
politischen Zusagen von acht Landesregierungen abseits des Landes
Berlin, die sich in ihren Koalitionsverträgen ausdrücklich für einen
Tarifvertrag für studentische Beschäftigte ausgesprochen haben.
„Die Arbeitgeber*innenseite betont regelmäßig die Bedeutung des
Flächentarifvertrags. Gleichzeitig hält sie an einer tarifpolitischen
Sonderzone für studentische Beschäftigte fest“, kritisiert Tabea Herbst
aus dem Vorstand des fzs weiter. „Das ist ein Widerspruch, der nicht
länger tragfähig ist.“
Der fzs steht weiterhin solidarisch an der Seite der Gewerkschaften, der
TVStud-Bewegung und der studentischen Beschäftigten. Der jetzige
Abschluss bringt punktuelle Verbesserungen, doch solange es kategorisch
keinen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte gibt, bleibt das
zentrale Problem ungelöst.
[1] Hopp, M., Hoffmann, Ann-Kathrin, Moya Schreieder, N. & Heiland, H.
(2026). /Jung, akademisch, (immer noch) prekär: Studentische
Erwerbsarbeit an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. /Göttingen:
Georg-August-Universität Göttingen. doi:
https://doi.org/10.47952/gro-publ-370
--
fzs Logo <https://www.fzs.de>
Facebook <https://www.facebook.com/fzs.de> LinkedIn
<https://www.linkedin.com/company/fzsev/> Instagram
<https://www.instagram.com/fzs_ev>
Tabea Herbst (sie/ihr)
Vorstand | Executive Committee
freier zusammenschluss von student*innenschaften fzs e.V.
Der freie zusammenschluss von student*innenschaften (fzs) e.V. ist der
überparteiliche Dachverband von Studierendenschaften in der BRD. Mit 100
Mitgliedern vertritt der fzs mehr als eine Million Studierende. Der fzs
ist Mitglied im europäischen Studierendendachverband ESU - European
Students' Union und im Global Students' Forum.
+49 151 20942563 <tel:+49 151 20942563>
tabea.herbst at fzs.de
www.fzs.de <https://www.fzs.de>
Wöhlertstr. 19, 10115 Berlin
-------------- nächster Teil --------------
Ein Dateianhang mit HTML-Daten wurde abgetrennt...
URL: <http://lists.fzs.de/pipermail/presseverteiler/attachments/20260214/39beb807/attachment-0001.htm>
-------------- nächster Teil --------------
Ein Dateianhang mit Binärdaten wurde abgetrennt...
Dateiname : PM_WiederKeinTVStud.pdf
Dateityp : application/pdf
Dateigröße : 440064 bytes
Beschreibung: nicht verfügbar
URL : <http://lists.fzs.de/pipermail/presseverteiler/attachments/20260214/39beb807/attachment-0001.pdf>
Mehr Informationen über die Mailingliste presseverteiler