PM: Entscheidungen über neue Exzellenzstandorte getroffen - Bundesstudierendenvertretung fordert Ausfinanzierung statt Leuchttürme
Katharina Rummenhöller
katharina.rummenhoeller at fzs.de
Fr Okt 2 20:30:25 CEST 2026
Sehr geehrte Medienschaffende,
im Anschluss an die heutige Pressekonferenz der aus Wissenschaft und
Politik zusammengesetzten Exzellenzkommission zur Auswahl der neuen
Exzellenzuniversitäten äußert der freie zusammenschluss von
student*innenschaften (fzs e.V.) fundamentale Kritik an der Fortführung
der Exzellenzstrategie. Während die Politik fünf neue Exzellenzstandorte
kürt und von Leuchttürmen mit internationaler Strahlkraft spricht, warnt
der fzs vor verheerenden Folgen dieses Konkurrenzkampfes für Studierende
und den alltäglichen Hochschul - und Lehrbetrieb.
Rückfragen zur untenstehenden und angehängten Pressemitteilung können
gestellt werden an:
_Katharina Rummenhöller, fzs-Vorstand:_
+49 15116807671 oder katharina.rummenhoeller at fzs.de
_Maximilian Wimmer, fzs-Referent für gute Lehre und Arbeitsbedingungen
an Hochschulen_
maximilian.wimmer at fzs.de
___________
Pressemitteilung: Entscheidungen über neue Exzellenzstandorte getroffen
- Bundesstudierendenvertretung fordert Ausfinanzierung statt Leuchttürme
Berlin, 02.10.2026
Im Anschluss an die heutige Pressekonferenz der aus Wissenschaft und
Politik zusammengesetzten Exzellenzkommission zur Auswahl der neuen
Exzellenzuniversitäten äußert der freie zusammenschluss von
student*innenschaften (fzs e.V.) fundamentale Kritik an der Fortführung
der Exzellenzstrategie. Während die Politik fünf neue Exzellenzstandorte
kürt und von Leuchttürmen mit internationaler Strahlkraft spricht, warnt
der fzs vor verheerenden Folgen dieses Konkurrenzkampfes für Studierende
und den alltäglichen Hochschul - und Lehrbetrieb.
Dazu erklärt Maximilian Wimmer, fzs-Referent für gute Lehre und
Arbeitsbedingungen an Hochschulen: „Die Exzellenzstrategie betreibt
Etikettenschwindel auf Kosten der Studierenden. Es ist der klägliche
Versuch, über drittmittelbasierte Projektförderung ein deutsches
Harvard, Yale oder Oxford zu erzwingen, nur um am Ende in den
internationalen Rankings doch im Mittelfeld zu landen. Dieses
Elite-Streben verkennt vollkommen den Sinn des deutschen
Hochschulsystems, das historisch auf Qualität in der Breite statt auf
einige wenige Spitzen-Unis gesetzt hat. Was nützt es uns, wenn eine
Universität sich auf dem Papier ‚exzellent' nennen darf, es den
Studierenden im Alltag aber sprichwörtlich durch das marode Dach der
Bibliothek regnet?"
Aus Sicht des fzs fährt das Programm eine völlig einseitige Definition
von „Exzellenz", die sich starr an messbaren Indikatoren wie
Drittmitteln, Publikationen und Zitationen versteift. Die Lehre wird
dabei nahezu ausgeklammert und findet in den Kriterien nur
oberflächliche Erwähnung. Eine gezielte Förderung der Einheit von
Forschung und Lehre findet nicht statt.
Die Folge ist eine massive Zwei-Klassen-Bildung an deutschen
Hochschulen, die auf mehreren Ebenen tiefe Gräben reißt. Das System
funktioniert nach dem Prinzip „Wer hat, dem wird gegeben". Große
Hochschulen, die aus diversen Gründen eine höhere Grundfinanzierung vom
Staat erhalten, häufen durch das Programm noch mehr Ressourcen an.
Kleinere und mittlere Standorte werden strukturell abgehängt.
Während ausgewählte MINT- oder medizinische Forschungscluster gefördert
werden, werden Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften im selben Haus
kaputtgespart. Weil sie sich für drittmittelstarke Forschung strukturell
schlechter eignen, werden sie systematisch zu „Orchideenfächern zweiter
Klasse" degradiert. Durch diesen permanenten Wettbewerbsdruck mutieren
Universitäten immer mehr zu profillosen, kommerziellen Marken mit
wirtschaftlicher Verwertungslogik.
„Eine Hochschule ist kein reines Forschungsinstitut, sondern zuallererst
eine Bildungseinrichtung. Gute Lehre braucht Dauerstellen für Lehrende
und gute Betreuungsverhältnisse in kleinen Seminargruppen, anstatt dass
Millionen in Hochglanz-Marketing und den Aufbau einer künstlichen Marke
fließen", kritisiert Katharina Rummenhöller, fzs-Vorstandsmitglied.
"Wenn Bundesministerin Bär die Strategie damit begründet,
‚Wirtschaftswachstum schaffen' zu wollen, verdrängt sie die eigentliche
Kernaufgabe der Hochschule: freie Bildung und kritische Wissenschaft. Um
diese Schieflage auszugleichen, führt kein Weg an einer Stärkung der
studentischen Mitbestimmung in den Gremien vorbei. Wir lassen uns nicht
zu Kund*innen der Hochschulen degradieren."
Der fzs fordert daher:
* Ausfinanzierte Lehre statt reiner Forschungsindikatoren: Qualität
darf nicht an eingeworbenen Drittmitteln hängen. Wer exzellent sein
will, muss seinen Status an konkrete Studienbedingungen koppeln, unter
anderem an den Ausbau unbefristeter Dauerstellen in der Lehre und an die
Einhaltung kleiner Seminargrößen
* Mehr Kompetenzen für den Bund und höhere Bildungsinvestitionen: Das
Kooperationsverbot muss vollständig fallen. Wir fordern mehr gesetzliche
Kompetenzen für den Bund in der dauerhaften Hochschulfinanzierung sowie
eine umfassende Investitionsoffensive in das gesamte Bildungssystem
* Demokratisierung statt Ökonomisierung: Eine spürbare Stärkung der
studentischen Mitbestimmung in den akademischen Gremien, um der
fortschreitenden Degradierung von Studierenden zu bloßen Kund*innen der
Marke Hochschule wirksam entgegenzutreten
[1]
[2]
[3]
[4]
Katharina Rummenhöller (sie/ihr)
Vorstand
freier zusammenschluss von student*innenschaften fzs e.V.
Der freie zusammenschluss von student*innenschaften (fzs) e.V. ist der
überparteiliche Dachverband von Studierendenschaften in der BRD. Mit 100
Mitgliedern vertritt der fzs mehr als eine Million Studierende. Der fzs
ist Mitglied im europäischen Studierendendachverband ESU - European
Students' Union und im Global Students' Forum.
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